Filippa Gojo

Filippa Gojo

 

Eine Stimme, die alleine den Hörer fesselt, die die ganze Aufmerksamkeit des Hörers an sich bindet, die dessen Fantasie verzaubert und in unterschiedliche Richtungen lenkt. Gibt es das? Geht das überhaupt, ohne im Verlaufe einer CD-Länge oder eines Konzertes an Attraktivität und Spannung zu verlieren? Ja, das geht!
Die 1988 im österreichischen Bregenz am Bodensee geborene Sängerin Filippa Gojo beantwortet diese Frage mit ihrem Soloalbum „vertraum“. Die CD zeigt das enorme Niveau an technischen Fähigkeiten, an kompositorischer Fantasie und an musikalischem Horizont, über den die Künstlerin verfügt. Dem minimalistischen Zauberkasten der jungen Frau – einzig sie ist auf dem Album zu hören und was gleichzeitig erklingt, wurde auch simultan aufgenommen – entspringen tatsächlich höchst unterschiedliche Kunst-Stückchen.
Vielfältig das Klangspektrum: Mal rauscht sie wie der Wind, stottert mit der Akkuratesse einer hüpfenden Schallplatte oder zeigt virtuose Intervallsprungeinlagen wie eine Königin der Nacht jedoch mit Kinderflausen. Dazwischen aber streichelt einem bergseeklares Elfen-Belcanto die Ohren. Vielfältig ist auch die Konzeption der Stücke: Manche der vorwiegend eigenen Kompositionen sind eher Soundcollagen, Musterstudien, metrische Experimente und springen leichtfüßig über das 3-Minuten-Popmusik-Limit oder sie ducken sich kokett darunter weg. Andere hören sich an wie der Soundtrack zum Norwegenurlaub oder einer Reisereportage aus Mittelerde. Man sieht es beim Lauschen förmlich vor sich: Steil aufragende Berge rechts und links, ein stilles dunkles Fjordwasser und irgendwoher tönt die reine Stimme Filippa Gojos mit einer Unaufgeregtheit, wie sie nur Menschen haben können, deren Kindheitsuniversum nicht bloß aus Beton und Playstation bestanden hat.
Bei manchen Stücken begleitet sie sich selbst auf Smallpercussions wie Spieluhr, Daumenklavier oder einer indischen Shruti-Box, denn „das gibt mir die maximale Freiheit der Gestaltung – jede musikalische Entscheidung liegt in meinen Händen“.
Eine anmutige Stimme mit minimalster oder gleich gar keiner Begleitung. Ihre Magie ist archaisch, zeit- und grenzenlos. Ihre Faszination kennt weder Nationalität noch Politik. Musik ohne Genrediktat, ohne Jahrzehnt, ohne konkrete Vorbilder: Weltmusik im ureigentlichen Sinn – auch wenn sie auf dieser Solo-Platte neben der Weltsprache Englisch hauptsächlich im ihr vertrauten Vorarlbergischen Dialekt singt.


Alben

A5026LE :: Filippa Gojo :: Vertraum / Special Ed. CD
Vertraum / Special Ed. CD
Filippa Gojo
A5017 :: Filippa Gojo :: Nahaufnahme / Special Ed. CD
Nahaufnahme / Special Ed. CD
Filippa Gojo

Reviews

Album "Vertraum" (CD/Ltd Edition CD)
Das Filippa Gojo Quartett wurde mit dem "Neuen Deutschen Jazzpreis" ausgezeichnet und dazu erhielt die Namensgeberin auch noch den Solistenpreis überreicht. Es ist ein Zufall, dass fast zeitgleich das erste Soloalbum der jungen Künstlerin erscheint, deren Stimme allein schon zauberhaft genug wirkt, um ihr zu lauschen. Wie die aus Bregenz stammende Wahlkölnerin mit ihr umzugehen weiß, unterscheidet sie um Längen von den meisten ihrer Kolleginnen, die sich auf's Singen beschränken. Gojo spielt mit den vielen Klangfarben ihrer Stimme, mal malt sie elfengleiche Klanggebilde mit luftigen Aquarelltönen, mal schwingt sie sich hoch in wuchtige Gefilde. Sie streift folkloristische Elemente, jauchzt mit kindlichem Charme oder tappt und hackt Silben, spielt glockenrein und flattert wie Espenlaub. Liedhaftes, Soundscapes, in Dialekt gekleidete Verse: Alles kommt scheinbar mühelos über ihre Lippen - und das eindrucksvoll ein ganzes Album lang. Hin und wieder begleitet sich Gojo mit einer Kalimba oder entfaltet zum tiefen Drone einer Shrutibox fesselnde Kraft - mehr braucht es nicht für diese Stimme.
Jazzthing

Portrait Filippa Gojo:
"Der Ungewissheit vertrauend, jeden Moment emotional ausgestaltet – Die Jazzsängerin Filippa Gojo faszinierte mit einer bewundernswerten Ausdruckskraft
Einmal im Monat wird das vorarlberg museum zu einem Treffpunkt für Jazzbegeisterte. Der Einladung von Filippa Gojo folgten viele, denn die aus Bregenz stammende Sängerin hat mit ihrer sinnlichen und energiegeladenen Musik bereits eine Karriere gestartet und viel Anerkennung gefunden. Geerdet und ganz bei sich selbst, höchst originell mit Vokalisen und Wortdeutungen spielend und souverän als Duopartnerin mit dem holländischen Perkussionisten Antoine Duijkers, zog sie die Zuhörenden in ihren Bann.
Filippa Gojo geht als Jazzsängerin einen individuellen Weg. Wer sie einmal erlebt hat, vergisst die natürlich und sympathisch agierende Sängerin nicht so schnell wieder. Sie hat einen unverkrampften Zugang zur musikalischen Gestaltung, reduziert die Linien auf das Wesentliche und steigert genau damit die Intensität der Deutungen.

Spannung und Entspannung
Souverän führte die Jazzsängerin ihre Stimme und es war nachvollziehbar, dass sie eine besondere Freude daran findet, Vokalklänge zu modellieren. So formte Filippa Gojo facettenreich die Töne, brachte sie in tiefen Lagen sonor und in der Höhe spitzig, ausschweifend, grell und voller Leidenschaft zur Geltung. Wenn sie einem Text folgte, wie beispielsweise in „Do Mo trinkt bloach osom Bach“, interpretierte sie ihn sehr detailliert, kostete Stimmungen und Farben aus. Dazu nahm sich die Sängerin viel Zeit zur Ausgestaltung von Spannungsbögen.

Geteilte Linienführung
Sympathisch führte die Sängerin im ersten Set durch ihr Soloprogramm, das auf Liedern aus ihrer CD „Vertraum“ beruhte. Neben den Stimmungsbildern, die die Zuhörerinnen und Zuhörer in unterschiedliche Landschaften führte, ließ Filippa Gojo unter anderem in „Trusting the uncertainty“ und „My Water“ mit einer speziellen Linienführung aufhorchen. Sie sang und begleitete sich dabei selbst. Dies schaffte sie, indem sie gut proportionierte, geteilte Linienführungen ausgestaltete, wunderbar schattierend darbot und so die melodischen Linien verwebte.

Den Vorarlberger Dialekt machte sich Filippa Gojo mit Vergnügen zu nutze. Spielerisch achtete sie auf lautmalerische Facetten und setzte sie teilweise in einen rhythmischen Bezug zueinander. So artikulierte sie beispielsweise „Wer ku ka, ka ku“ wie ein rhythmisches Pattern und setzte es rappartig in Szene.

Originelle Begleiter
Filippa Gojos Freude an der musikalischen Gestaltung war in jedem einzelnen Lied miterlebbar. Schlicht und doch sehr wirkungsvoll ergänzte sie ihren Gesang mit einer Kalimba sowie einer Shrutibox. Die Kalimba, ein Daumenklavier, bot ihr begleitende Töne, die Shrutibox schuf mit Bordunklängen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die originellen Spielarten und beziehungsreich eingesetzten musikalischen Ideen ließen die Musik nie ins Esoterische abgleiten. (…)
Auf die weitere Entwicklung von Filippa Gojo darf man sich freuen." / Sivia Thurner
KULTURZEITSCHRIFT.AT (A)